Linux-Anwender
Linux versus Windows - Probleme aus der Praxis
Peter Schulze am 4. Mai 2006.
Hallo Gemeinschaft,
ich betreue einen Kunden - einen Bildungsträger - der den Schülern einen Internetraum zur Verfügung stellt. Auf alten PC’s solle das ungestörte Surfen im Internet und das Erarbeiten von Dokumenten ermöglicht werden. Vor einem halben Jahr habe ich die Rechner eingerichtet und dabei auf Linux gesetzt, weil ich die Kisten richtig hart sichern wollte. Aber zwei Windows-Rechner wurden ebenfalls gewünscht. Dabei wird einer, der als Druckserver fungiert, bei jedem Neustart über ein Spiegelsystem stets auf den Urzustand zurückgesetzt - der andere benutzt Standard-Systemkomponenten von WIN2000 als sogenannter “eingeschränkter Benutzer”.
Ich glaube, dass die nachfolgenden Erlebnisse und Feststellungen, den tatsächlichen Stand des Wettstreits um die Sympathien für die Betriebssysteme widerspiegelt:
Nach 4 Monaten wurde ich gebeten, die Ordnung im Internetraum wiederherzustellen, weil dort “nichts mehr funktionieren” würde. Also ging ich auf Ursachensuche.
Ich stellte fest, dass durch die Masse der Studenten alles Mögliche getan wurde, um NICHT mit Linux arbeiten zu müssen, was angesichts der Überzahl der Linuxrechner dramatische Auswirkungen hatte.
1. Alle defekten oder nur halb funktionierenden peripheren Geräte, wie Tastaturen und Mäuse, ja selbst Monitore, wurden von den Studenten an Linux-PC’s gestöpselt und alles was scheinbar besser funktionierte, an den einen Windows-PC. Eine Maus wurd gänzlich geklaut - natürlich von einem Linuxer. Die Folge: Mindestens zwei Linux-PC’s funktionierten angeblich nicht mehr. Dabei funktionierten in Wirklichkeit die angeschlossenen Geräte nicht mehr.
2. Der “freie” Windows-PC wurde scheinbar durch einen Hobby-Hacker gecrackt. Diverse Tools sind ja im Internet verfügbar. Dann konnten diverse Saug-Server installiert und der Rechner für Down- und Uploads missbraucht werden. Die Folge: diverse Services wurden “verbogen” und man konnte von diesem PC nicht mehr auf den als Druckserver fungierenden Rechner drucken.
3. Daraufhin steckte man den Drucker an diesen Windows-PC, um direkt und nicht mehr über das Netzwerk zu drucken. Die Folge: sämtliche Rechner konnten nicht mehr drucken. Die Folge davon: “Linux funktioniert nicht!”, war die Aussage, was natürlich Blödsinn war!!! Aus meiner Sicht! Aus Sicht des Anwenders jedoch funktioniert ein PC auch dann generell nicht, wenn man nicht drucken kann - verstehe ich übrigens - da das Ergebnis zählt.
Einige wenige Studenten arbeiteten trotzdem mit den Linux-PC’s, konnten nun aber nicht drucken.
Generell aber akzeptierten fast alle Studenten nicht, dass ihre Microsoft Word- und Excel-Dokumente nun mit OpenOffice bearbeitet werden sollen, was speziell mit der Version 2 eigentlich kein Problem darstellen sollte. Man war einfach nicht bereit zu erkennen und anzuwenden, dass es neben Microsoft WORD, EXCEL, POWERPOINT noch andere Programme gibt, mit denen man die gleichen Arbeiten - dazu noch mit weitestgehend gleichen Methoden - erledigen kann. Die Krönung war folgende Aussage: “Wieso gibt es noch ein anderes Programm zum Textschreiben?”
Dabei muss man mal sagen, dass diese Studentin höchstens 10 Prozent des Leistungsvermögens eines Textverarbeitungsprogramms nutzte und maximal 11,374 Prozent des wahren Leistungsvermögens kannte!
Nur ein Student sprach sich beim Rektor für mich und Linux aus und sagte, dass die Linuxrechner eigentlich die einzigen sind, die immer noch funktionieren, dass man sie jedoch absichtlich demoliert. Doch warum ist das so?
Es kursiert das Gerücht, dass Bill Gates (Begründer von Microsoft und reichster Mann der Welt) einst sinngemäß sagte, dass er jedem Idioten die Installation eines Betriebssystem ermöglichen werde. Ich weiß nicht, ob das so stimmt, aber seit Windows, versucht tatsächlich jeder Idiot Betriebssysteme zu installieren und noch schlimmer, zu verbiegen. Und die, die keine Ahnung haben und auch nicht haben wollen, sind natürlich froh, das alles irgendwie sofort funktioniert - mehr oder weniger und unabhängig von Sicherheitsproblemen. Da will man auch nicht wahrhaben, dass es noch andere Programme gibt, die das Gleiche zu leisten vermögen, geschweige denn, dazu zu lernen.
Ich bin der Meinung, dass die Fehler auch in der Ausbildung liegen. Zwar bemüht man sich um neutrale Definitionen, wenn es um Rahmenlernpläne und einzusetzende Software geht, aber in Wirklichkeit gibt es in der Ausbildung einen Pseudo-Zwang zur Verwendung von Microsoft-Produkten. Ihr glaubt es nicht? Schickt doch mal eine Bewerbung an einen Unternehmer im OpenOffice- oder WordPerfect- oder TextMaker-Format. Na da habt ihr unter Garantie keine Chance! Umgekehrt scheint es selbstverständlich zu sein, MS Word-Docs zu versenden und jeder solle damit klar kommen! (Übrigens finde ich genau deswegen auch Adobes PDF so super.) Ich habe tatsächlich erlebt, dass ein Unternehmer einen Bewerber abgelehnt hat, weil er angab, standardmäßig mit Linux und OpenOffice zu arbeiten. Da half auch nicht, dass der Bewerber beteuerte, dass er dann selbstverständlich auch mit Microsoft-Office arbeiten kann! Das ist ja das Gleiche, als wenn ich einen Fahrzeuglackierer nicht einstelle, bloß weil er bisher Hyundai’s lackiert hatte und jetzt Audis lackieren soll!
Ich behaupte mal: Jeder, der sich mit anderen Betriebssystemen und anderer Software als von Microsoft auskennt, ist für ein Unternehmen in jedem Fall ein Gewinn, weil er flexibler und lernfähiger ist. ICH würde genau das zum Einstellungskriterium machen!
Umgekehrt gibt es natürlich noch genug Ecken und Kanten an Linux, die auch mich zur Weißglut bringen. Aber ich sehe es neutral. Ich sehe eine Software als ein Werkzeug an: Jedes Werkzeug hat seinen Anwendungszweck und dafür gibt es gute und schlechte Werkzeuge - und die guten sowie die, mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis, werde ich verwenden.
Peter
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#1. Mai 26th, 2007, at 7:19 PM.
Hallo Peter.
Interessanter Artikel, nur verallgemeinern kann man dies nicht, denn es sind
immer noch Schüler von denen wir hier reden. Aber die Aufklärung liegt ganz
klar bei den Lehrkräften. Am besten gleich bei der Abgabe der Infrastruktur eine
kurze Einführung der Systeme erklären, wäre ein Vorschlag.