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Wir brauchen mehr IT-Spezialisten!
Peter Schulze am 19. Dezember 2006.
Der Ruf der Wirtschaft nach mehr IT-Spezialisten scheint regelmäßig aufzuflackern - wie das olympische Feuer - alle 4 Jahre. Ich erinnere mich noch an die Aktion “GreenCard” vom damaligen Bundeskanzler Schröder. Nun klopfte die Wirtschaft wieder einmal an die Türen der Politik, um sie zu bitten, Signale zu setzen und Geld zu streuen. Vielleicht wirkt es diesmal besser?
Ich kann mich nämlich auch noch an die Folgen der Schröder-Aktion erinnern. Schnell wurden neue IT-Berufe definiert, die Kammern mussten Prüfungsausschüsse und Ausarbeitungsausschüsse bilden, Rahmenlehrpläne wurden aus dem Boden gestampft und Massen von Arbeitslosen in die Umschulungsmaßnahmen gepresst. Die Prüfungssausschüsse mussten nicht selten Halbjahr für Halbjahr plötzlich HUNDERTE mehr oder weniger gut ausgebildete IT-ler prüfen. So entstand eine Übersättigung an Fachkräften in den Berufsgruppen, die aber ursprünglich nicht einmal gemeint waren. Tausende IT-Systemkaufleute, Kommunikationselektroniker, Anwendungsentwickler und wie sie alle heißen, überschwemmten den Markt, unterstützt von hunderten, noch in der Ausbildung befindlichen Menschen, die über einen Praktikumsplatz auf ihren Arbeitsplatz hofften - bis Jahrtausendproblem und Euroumstellung erledigt waren und plötzlich in diesen Berufsgruppen der Bedarf geringer wurde. Nicht zuletzt hat dieser Überbestand an IT-Kräften dafür gesorgt, dass Preise für Dienstleistungen in den Keller rutschten. Wer keinen Job fand, gründete einfach eine ICH-AG und dumpte den Preis mit staatlicher Subvention - zumindest 1 bis 2 Jahre lang - bis auch sie merkten, dass man Geld am Monatsende verdient haben muss.
Aber mal von dieser Geschichte abgesehen, braucht Deutschland (und nicht nur die Wirtschaft) wirkliche Spezialisten. Und es liegt nun mal im Wesen der Branche, dass ständig neue Spezialgebiete entstehen und dafür andere wegfallen. (Programmiert noch jemand in Cobol?)
Neue Technologien, neue Technik, neue Möglichkeiten der Kommunikation, neue Verfahren - das stellt permanente Anforderungen an eine dauerhafte Weiterbildung der Fachleute. Das erfordert auch eine permanente Trendbeobachtung und rechtzeitige Reaktion in der Ausbildung neuer Fachkräfte.
Nicht zuletzt sollten insbesondere die IT-ler nie vergessen, dass (i.d.R.) IT-Technologien nicht dem Selbstzweck dienen, sondern der gesamten Gesellschaft Werkzeug und Hilfsmittel sein sollten. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die IT den Weg vorgeben will, aber eigentlich müssten es die Bedürfnisse der Gesellschaft sein, die die Richtung weisen. Nicht zuletzt dadurch entstehen auch Diskrepanzen, so dass am Bedarf vorbei entwickelt und gefördert wird.
Ja, Deutschland hat sehr gute Potenziale als Technolgieland wieder zur Weltspitze zu gelangen und Ja, dafür brauchen wir wirklich mehr IT-Spezialisten. Aber die Betonung liegt auf SPEZIALISTEN. Und da sehe ich die Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung selbst auch in der Pflicht. Es kann nicht allein die Verantwortung des Staates sein, diese Spezialisten zu “erzeugen”. Der Staat und die Politik können meiner Meinung nach nur die Rahmenbedingungen besser gestallten - aber Spezialisten entstehen nicht in der Schule, dem privaten Bildungsträger, den Hochschulen oder den Universitäten! Spezialisten im IT-Bereich entstehen nur durch den täglichen Praxisbezug, bei lebenslangem Lernen und regelmäßiger Qualifikation - aber eben auch durch die Unternehmen, die jetzt jammern, es gäbe zu wenig Spezialisten!
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