Linux-Anwender
Vorab-Test Open SuSE 10.3 Beta2
Peter Schulze am 9. September 2007.
Seit Langem habe ich nichts mehr zu Linux geblogt - mag wohl auch daran liegen, dass man das eben als Arbeit ansieht und letztendlich froh ist, wenn man seine Arbeit geschafft hat.
Doch nun fand ich eine Zeitschrift im Handel, welche vollmundig wirbt, Open SuSE 10.3 auf der Heft-DVD anzubieten. Das fand ich natürlich stark, wusste ich doch, dass diese Version sich noch in der Vorabtestung befindet.
Grund genug für mich, dennoch mal das 4,3 GB große Image der aktuellen Testversion Beta2 downzuloaden und eine Installation eines 32-Bit-PCs (Celeron 2.0 GHz mit Software-Raid1, 512 MB RAM) zu probieren.
Aufgefallen ist mir (neben dem neuen grünen Startbildschirm), dass - ähnlich anderen Distributionen - nunmehr gleich zum Anfang der Installationsprozedur, die Netzwerkverbindung eingerichtet werden kann (das sollte man auch tun) und danach sofort auch die Repositories (das sind download-Verzeichnisse, die zusätzliche bzw. aktualisierte Softwarepakete beinhalten) eingerichtet werden können. Dies sollte man auch mit den Standardvorschlägen so machen. Eine zusätzliche Einrichtung des FACTORY-Repo’s führte bei mir zu Fehlern in den Paketabhängigkeiten. Ich musste es wieder deaktivieren. Dennoch wurden sie später mit unter den Installationsquellen eingerichtet und machten später keine Probleme mehr.
(Bei einer anderen versuchsweisen Installation, wurden dennoch Fehler angezeigt - die Lösung war, sich die Details zu den Softwarepaketen anzeigen zu lassen und das dort gelistete Repo abzuwählen. Nach erneuter Auflösung der Abhängigkeiten, wurde die Paketauswahl richtig angezeigt.)
Ansonsten lief die Vorbereitung des Systems sehr easy und nahezu ohne Überraschungen. Auch die Konfiguration meiner Software-RAIDs war einfach und klar. Die Mount-Points wurden vorgeschlagen, konnte ich jedoch auch einfach nach meinen Vorstellungen ändern.
Die Softwareauswahl ergänzte ich um einige Paketgruppen, da der Rechner auch als Server fungieren soll. Ich will da bestimmte Dinge testen und da ich kein echter Linux-Hacker bin, sondern eher der normale User, installiere ich gern meine grafische Oberfläche KDE und manch anderen Schnickschnack, der normalerweise auf einem Server nichts zu suchen hat.
Die Installation von der DVD lief dann ohne Probleme durch. Der gesamte Installationsprozess dauerte aber doch fast zwei Stunden, weil wesentliche Teile, ja man kann sagen, die Masse der ausgewählten Pakete gleich aus den Repositories gedownloaded wurden. Außerdem habe ich ja zugleich einige umfangreiche Zusatzpakete gegenüber einer normalen Standard-Erst-Installation installiert. Trotz 6 MBit/s-Leitung, ging so einige Zeit drauf. Eventuell sollte man - sofern man keine schnelle DSL-Leitung zur Verfügung hat - doch auf die anfängliche Einbindung der Repo’s verzichten und erst mal eine “normale” DVD-Installation machen, um ein lauffähiges Grundsystem hin zu bekommen. Dummerweise werden (zumindest nach meinem Kenntnisstand) später die Repositories-Quellen nicht als Vorschläge angeboten, sondern man muss sie kennen und dann per Hand mittels YaST als zusätzliche Installationsquellen einrichten. Dazu muss man aber die genauen Pfade und Bezeichnungen wissen.
Die Installation selbst lief ordentlich durch - bis zu der Stelle, als die Ersteinrichtung (Erkennung der Hardware eetc.) des Systems nach dem ersten Neustart folgte. Bisher über DHCP ins Netzwerk integriert, wollte ich nun den neuen Server auf eine feste IP-Adresse umstellen. Ich trug diese also mit Subnetmask und Hostname ein und klickte auf “Weiter”, in der Hoffnung, dass ich nun auch den DNS-Server und das Gateway hinterlegen könne. Doch Fehlanzeige, diese Abfragen kamen nicht und ab sofort, hatte ich für den Rest der Installation keine Internetverbindung mehr. Denn ein Zurück gabs auch nicht - ich konnte nur die letzten Schritte überspringen. Aber das klappte dann und der erste komplette Neustart lief auch und ich habe danach die Netzwerkeinstellungen korrigiert. Der sofort im Hintergrund laufende neue Online-Aktualisierer “openSuSE updater” meckerte dann noch immer über die “ungültigen Zertifikate” der Repo’s, aber über YaST - “Instalationsmedien wechseln”, habe ich die dort eingetragenen Repo’s aktualisiert und die unbekannten Zertifikate als vertrauenswürdig akzeptiert. Damit war das Problem auch behoben.
Wie gesagt, ich bin davon überzeugt, dass die o.a. Probleme nicht aufgetreten wären, wenn ich nicht mitten im Verlauf der Installation von einem funktionierenden Internet via DHCP auf feste IP-Adressen aber leider ohne Gateway und DNS umgestellt hätte.
Es gab keine Probleme mit der Grafikarte, dem Monitor und dem X-Server - na gut, war alles auch nicht höchst modern und nicht neu auf dem Markt. Allerdings funktionierte keine 3D-Hardwarebeschleunigung. Das lag allerdings auch an meinen alten Grafikkarten, die für einen Server völlig ausreichen - insofern brauchte ich also die 3D-Beschleunigung auch wirklich nicht. Aber im “Ernstfall” kommt man wohl um die Installation der (meist nötigen ATI- oder NVidia-) Treiber vom Hersteller nicht umhin.
Da mein “Desktop/Server” keine besondere Hardware beinhaltet, konnte ich bestimmte Dinge - insbesondere den Anschluss peripherer Geräte, wie Scanner, ISDN-Karte, Modem etc. - nicht testen. Aber ich gehe mal davon aus, dass das, was schon vorher gut funktioniert hat, nicht schlechter werden sollte. Alle Wege führen dafür über YaST. Wie in der Vorgängerversion, kann man über die Softwareinstallation auch einige YaST-Module nachinstallieren, sofern man sie wirklich benötigt. Für spezielle Serverprobleme, ist ohnehin Handarbeit an den Konfigurationsdateien angesagt. Doch das soll ja ein durchschnittlicher User nicht nötig haben.
An Officeprogrammen wird standardmäßig OpenOffice (erfreulich schon modern Version 2.3.x), Gimp (Version 2.2) und die klassischen Multimediatools, ein paar belanglose Spielchen und einige Info-Tools installiert.
Eine Integration in Windows-Netze sollte über Samba-Client in YaST auch schnell gelingen, ebenso die Nutzung eventuell vorhandener NFS-Freigaben. Die Benutzerverwaltung statt local über LDAP, NIS oder Windows-AD ist bei der Ersteinrichtung bereits möglich, oder kann auch später eingerichtet werden.
Bei einer zweiten Installation auf einem anderen PC, verursachten die sofort eingebundenen Repositories ebenfalls Probleme. Bei der Anzeige der zu installierenden Pakete wurde ein “manueller Eingriff” nötig, wobei ich die Repos abwählte. Nach einer erneuten Auflösung der Abhängigkeiten, konnte die Grundinstallation weiter fortgeführt werden.
Positiv: Auch auf diesem, zugegebenermaßen alten, System, wurde die Hardware ohne Probleme erkannt. Es hat sogar mehr erkannt, als vorhanden. So wurde Bluetooth aktiviert, obwohl kein Adapter vorhanden war!? - Komisch!
Was aber echt nervte war, dass im Laufe der Erstinstallation insgesamt 4 mal das Aktualisieren der eingetragenen Online-Update-Quellen erfolgte - wohl auch deswegen, weil ich (absichtliuch) alle vorgeschlagenen Optionen bestätigte. So wurden nicht nur während der Grundinstallation ca. 80% der Pakete online geladen, sondern auch nach dem ersten Neustart die Quellen wieder aktualisiert, dann im Rahmen der Online-Registrierung wieder und dann wurden tatsächlich die ersten Updates gefunden, was im Falle des bei mir notwendigen Kernel-Updates, einen Neustart erforderte, wodurch der Installationsprozess wieder am Punkt “Online-Update” einstieg, wobei noch einmal die Quellen aktualisiert wurden.
Das Ganze erfolgte an einem 1 MBit/s-DSL Zugang und war eine echte Zumutung. Es bleibt also dabei:
Am Besten installiert man das System zunächst ausschließlich Offline von der DVD!!!
Unklar ist auch, warum die Netzwerkeinstellungen, die ganz zum Anfang eingegeben wurden, nach dem ersten Neustart des grundinstallierten Systems, erneut eingegeben werden mussten. An dieser Stelle wurde mir außerdem klar, was ich bei dem oben genannten ersten System falsch gemacht hatte: Denn dort, wo man die IP-Adresse, SubnetMask und Hostname eingibt, befinden sich auf ANDEREN Registerkarten die Angaben zu Gateway und DNS. Und wenn man diese Tatsache nicht wahrnimmt und man klickt auf “weiter”, dann hat man zwar eine IP-Adresse vergeben, aber ohne Gateway und DNS funktioniert nun mal die Internetverbindung nicht!
Allerdings stellte ich bei der Druckerinstallation eines auf einem Windows-Sytem freigegebenen Druckers fest, dass nicht mal der Samba-Client zur Standard-Installation dazu gehörte und extra nachinstalliert werden musste.
Sonstiges:
Neu ist, dass aus dem Boot-Menü der Installations-DVD gleich ein Reparatur-Modus gestartet werden kann. Früher musste dazu erst eine Installation gestartet werden und dann in einen Reparatur-Modus gewechselt werden.
Neu ist der standardmäßig giftgrüne Desktop - Geschmackssache! Mein Geschmack trafs jedenfalls nicht!
Inzwischen ist die Beta3 veröffentlicht worden. Sicher wurden einige der hier genannten Probleme behoben. Bleibt die Final-Version abzuwarten, die ja auch nicht mehr lange auf sich warten lassen soll.
Intensivere Tests zur Hardwareerkennung, konnte ich aus Zeitgründen noch nicht tun. Bestimmt gibt es im Detail bei anderen Hardwarekonfigurationen oder Softwareansprüchen wie bei allen neuen Betriebssystemen hie und da einige Probleme. Ich kann mir vorstellen, dass die OpenSuSE-Gemeinschaft noch vor der Veröffentlichung der finalen Version sehr daran interessiert ist, diese zu erfahren.
Fazit:
Wer SuSE 10.3 testen will kann dies eigentlich bedenkenlos auf einem Nicht-Produktiv-System tun. Wenn dann alles ordentlich läuft, kann man das System ja produktiv machen.
Mut machen möchte ich, diese Versionen zu testen, damit noch recht viele Hinweise an die Entwickler gegeben werden können.
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#1. September 24th, 2007, at 12:29 PM.
Ich habe hier noch einen Nachtrag:
Die von mir vorgeschlagene Offline-Installation - also ohne jegliche Netzverbindung am besten - kann man doch nicht empfehlen. Zwar umgeht man damit die negativen und teilweise nervenden Repositories-Abfragen während der Erst-Installation, jedoch riskiert man, dass nach erfolgreicher Installation ein Update nicht möglich ist. Die Ursache sind Fehler in der libzypp, die aber mit der derzeit aktuell verfügbaren neuen Version RC1 behoben sein sollen.
Bitte also gleich die neue RC1 runterladen und installieren.