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Nokia - “Gewinnmitnahme” der anderen Art

Peter Schulze am 16. Januar 2008.

Die aktuelle Schlagzeile, dass NOKIA in Deutschland Standorte schließen will, die mit Geldern des Landes, des Bundes und der EU gefördert wurden, schreckt - gerade in Vorbereitung der Wahlkämpfe - jeden Politiker hoch. Das Volk indes, versteht diese Welt eh nicht mehr!

83 Mio. Euro von Bund und Land bezuschusst und dazu noch eine nicht bekannte Höhe an europäischen Geldern und da soll jetzt angeblich NOKIA, wiederum mit Zuschüssen der EU, ihre Standorte nach Osteuropa, z. B. Rumänien verlagern - da kann kein normaler Menschenverstand mehr mitkommen!

Die Begründung ist, dass die Lohnkosten in Osteuropa viel geringer wären. Das stimmt zwar (und für die nächsten 5 Jahre mag das auch noch so bleiben), aber das kann es doch wirklich nicht sein. Denn die Handyproduktion hat einen Lohnkostenanteil von ca. 5 bis 10 Prozent!

Worüber außerdem keiner sprichtist, dass mit den o.a. Begünstigungen noch gar nicht alle aufgezählt sind. Denn die Arbeitskräfte - also deren Lohn - wurde auch für viele Arbeitnehmer vom Staat bezuschusst. (Lohnkostenzuschüsse für Langzeitarbeitslose oder über 50-Jährige etc. )
Nein, die Sache hat andere Ursachen und die kann ich nur so erklären:

Wenn ein Unternehmen ein Geschenk in Aussicht gestellt bekommt, dann wird das Unternehmen sicherlich das tun, was der Schenkende ihm dafür abverlangt. Freilich, zwingen kann man den Beschenkten nicht - etwaige Auflagen, sofern es diese überhaupt gab, laufen nach einer Frist auch mal ab.

Ein erster Fehler bestand nun darin, dass der Beschenkte von drei Stellen beschenkt wurde: der EU, dem Bund und dem Land. Bund und Land gingen dabei davon aus, dass der Beschenkte nun eine gewisse Zeit dankbar und am deutschen Standort bleiben wird. Das Dumme ist nun, dass das der EU völlig Wurscht ist. Die sagt sich: “Wir müssen die neuen EU-Staaten auch entwickeln!” und schenkt nun - viel eher als erwartet - dem Beschenkten gleich noch mal viel Geld, verbunden mit der Auflage, einen neuen Standort in Osteuropa zu öffnen.

Die Schlauen in der EU sagen sich: “Wir fordern ja nicht, den Standort in Deutschland zu schließen - wir fordern doch nur, einen neuen in Osteuropa aufzumachen!”

Und NOKIA sagt erst mal “Danke!” - höflich sind sie ja! Das sagten sie vor drei Jahren auch, als das Geld schon mal aus der EU kam und Bund und Land noch was obendrauf packten. Aber jetzt sind in Deutschland die gesetzliche Verpflichtungen abgelaufen oder es gab gleich keine (mehr). “Da können wir den Standort auch schließen! Denn wir brauchen eigentlich keine zusätzlichen Standorte, nur billigere! Und wenn die EU halt Geld loswerden will - nur zu!”

Damit haben Bund und Land nicht gerechnet - der EU ist’s scheinbar egal. Das Geld, was sie ausgeben, kommt aber auch von den deutschen Steuerzahlern. Die EU-Politiker müssen es nicht erarbeiten - auch sie bekommen es einfach!!! Da kann man schon großzügig sein!
Und so finanziert der Steuerzahler in Deutschland auch Subventionen der EU, ohne dass sie ihm nützen.

Aber das ist so gewollt - schließlich sind wir eine Gemeinschaft. In einer Familie hilft man sich doch auch untereinander.

Dumm nur, wenn das Geld bei jenen, denen geholfen werden soll (egal in welchem Land), nicht ankommt - z.B. weil die Arbeitnehmer jetzt wieder arbeitslos werden. Die Kosten dafür trägt übrigens wieder der Staat, also wieder der Steuerzahler!

NOKIA würde bestimmt nicht aus Deutschland gehen, wenn es die Fördergelder der EU nicht geben würde!

Tja, die einzigen, die sich die “Handy” reiben, sind die Gesellschafter von NOKIA, denn die machen die “Gewinnmitnahme der besonderen Art”.

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1 Kommentar

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#1. Januar 25th, 2008, at 7:45 AM.

24.01.2008:
NOKIA gibt die Geschäftszahlen bekannt: 7 Milliarden Dollar Gewinn in 2007!
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