Wirtschaft

Aufschwung oder Rezession?

Peter Schulze am 25. Februar 2008.

Die heutigen Schlagzeilen in den Medien lassen viele Menschen zusammenzucken: Siemens kündigt die Entlassung von 3000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, besonders in der ITK-Sparte an. Und bei Opel, die das Image trotz größter Anstrengungen nicht aufpolieren konnten, vermutet man ebenfalls größere Entlassungen in der nächsten Zeit. Und damit noch nicht genug, sind im Saarland aufgrund der vom Bergbau verursachten oder zumindest begünstigten Erdbeben, weitere 3000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Angesichts dieser Ankündigungen kann man eigentlich von einem Aufschwung in Deutschland nicht mehr sprechen, denn wenn es hier noch Branchen gibt, die boomen, so kommt dieser Aufschwung nur partiell zu Geltung. Nicht zuletzt basiert er auf einem guten Auslandgeschäft von meist mittelständischen Unternehmen. Der Binnenmarkt jedoch kränkelt. Da sind auch die nur in wenigen Branchen erstrittenen Gehalts- und Lohnerhöhungen nicht ausreichend, um den Umsatz im Binnenmarkt anzukurbeln. Das spürt eben auch Opel, die nunmehr vielleicht gute Autos bauen können, aber sie zu teuer verkaufen müssen. Eine ramponierte Marke wertet man durch relativ hohe Preise eben nicht auf. Potenzielle Kunden in Deutschland achten einfach mehr auf’s Geld. Markenbewusstsein und Markentreue können sich im weniger leisten.
Und Siemens halte ich einfach für zu breit aufgestellt, um im hochspezialisierten ITK-Bereich flexibel, innovativ und kostengünstig zu bleiben. Der Fluch großer Unternehmen ist es nunmal, Gefahr zu laufen, dass man zu starr, unflexibel und zu langsam wird. Wenn man schon Aufträge aus F&E an andere und kleinere Unternehmen auslagern muss, weil die eigene Entwicklung zu teuer werden würde und Zeitvorgaben nicht eingehalten werden können, dann ist es wirklich schon bedenklich.

Die Folgen der Entwicklung trägt neben den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dann wieder der Steuerzahler. Weil es der Wirtschaft in den Regionen nicht gelingen wird, die Arbeitslosen wieder in eine Beschäftigung zu führen, müssen Millionen an Arbeitslosengeld gezahlt werden. Dabei könnte eine kluge Steuerpolitik dem flexibel reagierenden Mittelstand die notwendigen Vorteile bringen, um Arbeitsplätze neu zu schaffen und auf absehbare Zeit, den Staat zu entlasten und damit die so dringend benötigte Binnennachfrage zu erhöhen. Doch der klassische Interessentvertreter der Selbständigen und des Mittelstandes, versinkt mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit, wie das Scheitern der FDP an der 5%-Hürde bei den Wahlen in Hamburg zeigt.

Aufschwung in Deutschland kann nur Aufschwung mit den Bürgern sein. Zählen jedoch nur noch zweistellige Zuwachsraten bei Renditen, ruinieren wenige Große die Masse und die Kleinen. Wahre Leistungsfähigkeit zeigt sich auch im Wohlergehen der Bürger und nicht nur an den Renditezahlen von Investitionen.

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1 Kommentar

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#1. März 3rd, 2008, at 5:51 PM.

Regierungsamtlicher positivistischer Nachrichtenstil begleitet inzwischen, meiner Beobachtung entsprechend, bis zur Unglaubwürdigkeit die Berichte über Werks/Betriebsschließungen: Die Arbeitslosenzahlen sinken kontinuierlich!
Oder die Inflationsrate liegt (leicht) erhöht bei 2.8%.
Tatsächlich kostet das "täglich Brot" für ein drei köpfige Familie, "ohne Belag", inzwischen ca.1500 eur!!!
Die Gesetzgebung des "Schwarzen Peters" macht’s nur möglich.
Zuerst verbrauchen, dann melden- zum verdammten Hartz 4 Spiel.
Wer kann in Deutschland (noch) von seiner Arbeit leben?
Rezession oder Aufschwung, der Ist-Zustand???
Weder noch. Inflation - und - Deflation- sie können ein Übel davon frei wählen — sind gemeinsame Realität und sind mit dem Sozialgesetzbuch jetzt nicht mehr zu zügeln, weil einfach nicht verankert. Jedoch bei Niederlegung bekannt, weil vermutlich das eigentliche und einzige Motiv!
Wir sind Exportweltmeister? eines Billiglohnlandes geworden- auf Kosten und Export unseres Wohlstandes und unserer Sparguthaben. Oder Aktionäre eines scheiternden Unternehmens- gegen unseren Willen.
Die Spitze der FDP hat den Wendepunkt völlig richtig erkannt:
Planwirtschaft, weil Massenarmut oder Wirtschaft nach uns bekannten Werten in Zeiten einer sehr üblen Weltwirtschaftskrise.
Es sind da massive Probleme im Geld/Bewertungs/ Leistungssystem aufgetreten (auch was die Pflicht-Sozialversicherungsbeiträge betrifft), die ebenfalls auch die Einnahme und Ausgabeseite betreffen, über die der Mittelstand unbedingt aus Existenzgründen heraus wieder neu mit den " Volksmanagern" diskutieren muß…
Anderenfalls wäre die medienwissenschaftlich untersuchte Berichterstattung im Vorfeld von Wahlen, kritisch zur Analyse der Wahlergebnisse und zur Beurteilung einer freien Willensentscheidung heranzuziehen.

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