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BlackBerry-Syndrom

Peter Schulze am 10. April 2008.

Die Firma RIM hat mit Ihrem BlackBerry (i.W. BB) scheinbar den Nerv der Unternehmen getroffen. Mehrere Millionen Geräte wurden innerhalb kurzer Zeit umgesetzt.

Was kann BlackBerry? Eine stark vereinfachte (und nicht ganz ernst zu nehmende) Beschreibung wäre: Was man sonst von seinem internetfähigen Handy an Nachrichten nur dann empfängt, wenn man es wirklich will, bekommt man nun “gepusht” - ob man will oder nicht. Somit ist man stets für Nachrichten empfangsbereit, kann jederzeit Informationen oder Aufträge auf sein BB-Gerät gedrückt bekommen, was sich dann über ein Signal bemerkbar macht. Der Vorteil ist, dass jedes Unternehmen seine Groupwarestruktur (für Nachrichten, Termine, Kontakte etc.) über BB abbilden kann. Entsprechende Software bietet Schnittstellen zu MS Exchange oder Groupwise u.a.m. an. Man hat also seine Unternehmensgroupware stets dabei und stets aktuell.
Der Nutzen für Unternehmen kann enorm sein: schnelles Reagieren auf veränderte Situationen, besonders für den Außendienst, Servicekräfte u. a., oder auch das Erledigen wichtiger Aufgaben von Unterwegs.

Das Schlimme nur ist, dass die BB-Besitzer, die zwar die Macht über das Gerät besitzen, es notfalls ausschalten könnten, sehr oft zum Sklaven der Geräte werden. Häufig werden Gespräche oder Meetings unterbrochen, weil man “nur mal kurz” schauen will, wer da was von einem will. (Manche wollen auch nur zeigen, wie wichtig man ist.) Haben diejenigen dann gelesen, wer was will, dann sind sie unkonzentriert im wieder aufgenommenen Gespräch, weil sie sich im Hintergrund schon wieder mit den neuen Informationen oder Aufgaben beschäftigen. Sie nehmen dann den gerade gegenübersitzenden Gesprächspartner nicht ernst, weil es ihnen nicht gelingt zu vergessen, dass da schon wieder ein neuer Termin, eine neue Aufgabe ansteht. Somit kann es sogar passieren (und es ist auch schon passiert), dass Dinge aus dem Gespräch vergessen werden, weil die BB-Information wichtiger zu sein scheint.

Es gibt eigentlich diese Erscheinung bereits aus der Blütezeit der SMS, doch man hat nichts dazugelernt. Da der BB zum größten Teil geschäftlich genutzt wird, ist der Druck auf die Benutzer besonders groß: Wer will schon eine Nachricht verpassen, die doch für den Job wichtig sein kann? Das Dumme daran ist, dass auch unwichtige Nachrichten plötzlich “durchkommen” und der BB-Benutzer seine Arbeit deswegen unterbricht. Ein konzentriertes Arbeiten, ein intensives und aufmerksames Gespräch ist dann meist nicht mehr möglich. Die Qualität der Arbeit kann u. U. sogar schlechter werden!

Wer den BlackBerry richtig nutzen möchte, muss es in bestimmten Situationen auch mal ausschalten oder ignorieren können. Doch genau da scheiden sich die Geister, denn es widerspricht dem Sinn des BlackBerry, das Gerät auszuschalten, wenn sein Nutzen darin besteht, es immer angeschaltet zu lassen.

Auf einer Veranstaltung sprach ich mit einem Vertreter der Firma RIM, der sein Produkt vorstellte, über diese Aspekte. Er meinte zurecht, dass es in der Verantwortung der Nutzer liegt, wie man mit den Möglichkeiten des BB umgeht. Er hatte während der Veranstaltung ganze 4 mal sein BlackBerry gezückt und bei seiner Präsentation gezeigt, dass eigentlich nur eine Nachricht wirklich wichtig, aber keineswegs zeitkritisch war. Alle anderen Nachrichten waren mehr oder weniger nutzlos.

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